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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Arbeitnehmer dürfen während einer Arbeitsunfähigkeit an einem Bewerbungsgespräch bei einem potenziellen Arbeitgeber teilnehmen.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg-Vorpommern hatte darüber zu entscheiden, ob die Kündigung eines Arbeitgebers rechtswidrig war, die er gegenüber dem Arbeitnehmer ausgesprochen hatte, weil dieser während einer Arbeitsunfähigkeitsphase an einem Bewerbungsgespräch bei einem neuen Arbeitgeber teilnahm (Urteil v. 05.03.2013, 5 Sa 106/12). Der bisherige Arbeitgeber erfuhr im Nachhinein von der Teilnahme des Arbeitnehmers an diesem Bewerbungsgespräch und kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis fristlos und hilfsweise fristgemäß. Der Arbeitgeber warf dem Arbeitnehmer unter anderem illoyales Verhalten vor. Ferner behauptete er, dass der Arbeitnehmer sich mit der Teilnahme an dem Bewerbungsgespräch genesungswidrig verhalten hatte.

Das zuständige Arbeitsgericht und das LAG gaben der Kündigungsschutzklage des Arbeitnehmers statt. Das LAG stellt dabei fest, dass ein Arbeitnehmer während einer arbeitsunfähigen Erkrankungsphase mit seinem eigenen Verhalten dafür Sorge zu tragen habe, dass er möglichst schnell wieder arbeitsfähig wird. Aus Sicht des Gerichtes bedeutet dies allerdings nicht, dass er stets das Bett zu hüten hat oder die eigene Wohnung nicht verlassen darf. Wie sich der Arbeitnehmer zu verhalten hat, ergibt sich aus der konkret vorliegenden Erkrankung. Im vorliegenden Fall war der Arbeitnehmer aufgrund eines eingeklemmten Nervs im rechten Arm krankgeschrieben. Er durfte damit seinen rechten Arm nicht belasten. Aus Sicht des Gerichtes durfte er aber sehr wohl an einem Bewerbungsgespräch teilnehmen.

Auch ein vom Arbeitnehmer mit der Bewerbung zum Ausdruck gebrachter Abkehrwille vom bisherigen Arbeitgeber rechtfertigt nicht in jedem Fall eine Kündigung. Das Gericht stellt hierzu fest, dass einem Arbeitnehmer, der seine vertraglichen Pflichten nach wie vor erfüllt, grundsätzlich nicht vorgeworfen werden darf, dass er sich nach einem anderen Betätigungsfeld umschaut. Eine Kündigung durch den bisherigen Arbeitgeber könnte nur dann gerechtfertigt sein, wenn der Arbeitnehmer seine Pflichten im noch bestehenden Arbeitsverhältnis zugunsten seiner zukünftigen Beschäftigung vernachlässigt oder wenn der Arbeitgeber die Möglichkeit hat, für den abkehrwilligen Arbeitnehmer eine andere Person einzustellen. Beide Gründe waren vorliegend nicht gegeben.